Die im Pata-Negra-Schinken enthaltenen Zusatzstoffe

Bis vor noch ganz kurzer Zeit war der im luftgetrockneten Schinken vorhandene Salzanteil das, was die Konsumenten am meisten beunruhigte. Die WHO empfiehlt eine Tagesration von nicht mehr als 5 Gramm (sogar weniger bei Kindern und Jugendlichen), um das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gering zu halten. Allerdings liegt der weltweite Durchschnitt zwischen 8 und 11 Gramm – also bei mehr als dem Doppelten.

Allerdings scheinen inzwischen die darüber hinaus enthaltenen und von den meisten Herstellern verwandten Zusatzstoffe wie Konservierungs-, Antioxidations- und Säureregulierungsmittel generell mehr Ängste und Misstrauen hervorzurufen. In diesem Artikel werden wir versuchen zu erläutern, aus welchem Grund sie benutzt und welche Gesundheitsrisiken damit in Zusammenhang gebracht werden.

Salz

Salt jar
Salz (Foto von Gregory Bourolias)

Salz ist das älteste bekannte Konservierungsmittel. Ohne Salz würde Fleisch schnell verderben. Gleichzeitig ist es aber auch ein Geschmacksverstärker: Ein Schinken mit einem Salzgehalt von weniger als 2,5 % erscheint einem als geschmacklos und weist darüber hinaus eine alles andere als ansprechende Faserung auf.

Pata-Negra-Schinken (jamón ibérico) ist von allen derjenige, der am wenigsten Salz enthält (zwischen 2,5 % und 4,5 %). Danach folgt der Serrano-Schinken (5%), dann der aus Bayonne (5,5 %) und schließlich der aus Parma (5,7 %). Hierbei spielt die Genetik die entscheidende Rolle: Die jeweilige Fettmaserung sowie ein erhöhter pH-Wert erschweren das Eindringen des Salzes.

Zieht man einen Vergleich mit anderen Produkten, so ist der Schinken beispielsweise vergleichbar mit Roquefort-Käse oder Oliven.

Wie bereits in der Einführung erwähnt ist es bewiesen, dass ein übermäßiger Salzgenuss das Risiko der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Krankheiten (Bluthochdruck, Herzinfarkt etc.), aber möglicherweise auch von Nierenversagen und Osteoporose in sich birgt.

Konservierungsmittel

Die bekanntesten Konservierungsmittel sind Kaliumnitrat (E-250) und Natriumnitrit (E-252). Nitrate und Nitrite verwendet man bereits sei hunderten von Jahren. Sie spielen vor allem eine wichtige Rolle in Bezug auf die Gewährleistung mikrobiologischer Sicherheit (insbesondere zum Schutz des Konsumenten vor Botulismus).

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit begrenzt die maximale Menge von Natriumnitrit auf 100 mg/kg und Kaliumnitrat auf 150 mg/kg (Richtlinie 2006/52/EC). Dabei handelt es sich um einen solch geringen Wert, dass die Möglichkeit der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen zu vernachlässigen ist. Darüber hinaus ist Schinken auch kein Produkt, das gekocht werden müsste, d.h. er wird auch gar nicht erst der hohen, zum Zustandekommen solch eines Phänomens nötigen Temperatur (130 ºC) ausgesetzt. In dieser Hinsicht ist z.B. Speck viel gefährlicher, da es sich dabei um ein nur kurz geräuchertes Produkt handelt, das normalerweise sehr heiß (150 – 190 ºC) zubereitet wird.

Diese beiden Zusatzstoffe schützen zum einen vor bestimmten Bakterien, beeinflussen aber auch Farbe und Aroma. Dank ihnen wird das Fleisch etwas rötlicher, intensiviert sich der typische Geschmack und vermindern sich ranzige Aromatendenzen.

Fast alle Produkte beinhalten einen (oder auch beide) dieser Konservierungsstoffe. Ausnahmen sind dabei vor allem der Joselito-Schinken wie auch der ökologische Bio-Schinken. Der Wille zum Verzicht auf Zusatzmittel zwingt insbesondere während der ersten 3 Monate, wenn die Gefahr einer mikrobiologischen Verschmutzung am größten ist, zu einer äußerst strengen Kontrolle des Trocknungsprozesses. Außerdem nimmt der Reifeprozess hierbei gewöhnlich eine längere Zeit, d.h. zwischen einem halben und ganzen zusätzlichen Jahr, in Anspruch. Je mehr Wasser einem Schinken entzogen wurde, umso schwerer fällt es Bakterien sich zu vermehren.

Die farbliche Beeinflussung ist beim Ibérico-Schinken eigentlich nicht ausschlaggebend, da der sehr hohe Zinkgehalt dieser Fleischart grundsätzlich eine rötliche Farbe gewährleistet. Deshalb sind die farbgebenden Aspekte der Konservierungsstoffe hier überflüssig.

In Italien wurden sogar schon vor geraumer Zeit bei der Produktion von Parma- und San-Daniele-Schinken alle Zusätze (außer Salz natürlich) aus der Herstellung gestrichen. In der Schweiz ist darüber hinaus der Gebrauch von Natriumnitrit (E-252) generell untersagt.

Antioxidationsmittel

Natriumascorbat (E-301) wird normalerweise zur Reduzierung der nachteiligen Effekte der Konservierungsstoffe zugesetzt, da es die Bildung von Nitrosaminen verringert. Es gilt als unschädliche Substanz, doch ein Konsum von mehr als 10 mg pro Tag kann zu Durchfall und der Bildung von Nierensteinen in den entsprechenden Organen führen.

Säuerungsmittel

Trinatriumcitrat (E-331-iii) birgt keinerlei gesundheitliche Gefahren und es gibt auch keine Grenzwerte bezüglich einer täglich aufnehmbare Menge. Es dient zur Regelung des pH-Wertes (Säure) und Stärkung der Aufgabe der Antioxidationsmittel.

Zucker (oder Laktose bzw. Milchzucker)

Zwar wird er häufig bei der Wurstverarbeitung verwandt, doch im Allgemeinen kaum für Schinken. Damit wird die bittere Note ranzigen Aromas überdeckt.

Insgesamt gesehen ist Salz der schädlichste im Schinken vorhandene Zusatzstoff. Teilt man sich eine Portion (80 Gramm) mit anderen, nimmt man zwischen 1 und 2 Gramm Salz zu sich – d.h. zwischen 20 – 40 % der empfohlenen Tagesmenge. Das entspricht ungefähr dem Konsum von 125 Gramm Brot (ein halbes Baguette oder die Hälfte einer kleinen Brotstange). Was soll man dazu sagen? Also ich für meinen Teil esse lieber kein Brot und dafür die ganze Pata-Negra-Tapa.

Wird Bellota-Schinken auch außerhalb der Iberischen Halbinsel produziert?

Les Très Riches Heures: Der Monat November
©Photo. R.M.N. / R.-G. OjZŽda

Eigentlich kann man sagen, dass der Bellota-Schinken nur in Spanien und Portugal hergestellt wird. Allerding war das nicht immer so und wird sich vielleicht zukünftig auch wieder ändern.

In allen an das Mittelmeer angrenzenden Waldregionen haben Schweine schon weit vor ihrer Domestizierung durch den Menschen Eicheln gefressen. Bis noch vor ein paar Jahrhunderten kam in den trockeneren Regionen eher die Steineiche, in den feuchteren die Kork- bzw. Sommereiche.

In der Odyssee von Homer verwandelt die Göttin und Zauberin Circe die Begleiter von Odysseus in Schweine und gibt ihnen Eicheln zu fressen. Das lässt vermuten, dass bereits im antiken Griechenland Schweine mit der Frucht des Eichenbaums ernährt wurden.

Schon im 15. Jahrhundert wurde in einer berühmten, aus der Mitte Frankreichs stammenden bebilderten Handschrift namens „Très Riches Heures du Duc de Berry“ zur Präsentation des Monats November eine Szene verwandt, in der einige Schweine in einem Wald Eicheln verspeisen (s. Reproduktion auf der rechten Seite). Es ist ein Werk des Malers Jean Colombre aus den Jahren zwischen 1485 und 1486.

Laut Marco, einem Leser dieses Blogs, hat man in Frankreich im Kleinen mit der Herstellung von Schinken begonnen, der von Schweinen stammt, welche auf der Insel Korsika und in dem Départament von Hautes Pyrénées sowie den angrenzenden Regionen nahe den aragonesischen Pyrenäen auf Basis von Eicheln ernährt werden.

Auf Korsika wird dabei eine einheimische Rasse mit dem Namen Nustrale (oder U Porcu Neru) verwandt. Es handelt sich dabei um ein kleines, wolliges und dunkles Tier, das während eines Zeitraums von fast 2 Jahren in Freiheit großgezogen und u.a. auch Kastanien zu fressen bekommt.

Die Tiere aus den Pyrenäen stammen von den schwarzen Schweinen aus der Bigorre (Gasconne-Rasse) ab, welche zu Ende des 20. Jahrhunderts auszusterben drohten. Auch unsere Pata Negra-Art erlebte die schlimmste Zeit in den 70iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts..

Unterfranken ist eine Region im Freistaat Bayern (Deutschland), wo man wieder mit der Freilandzucht und Eichelfütterung von Schweinen begonnen hat. Aus einem anfänglichen, 2003 gestarteten Pilotprojekt wurde in der Zwischenzeit das Unternehmen EICHELSCHWEIN® GmbH. Ein 18 Monate gereifter deutscher Bellota-Schinken kostet 65 €/kg, was dem Preis eines iberischen Bellota Bio-Schinkens entspricht.

Italien ist eines der Hauptherstellungsländer von luftgetrocknetem Schinken, aber schon ab dem 12. Jahrhundert unterließ man die Fütterung der Schweine mit Eicheln und anderen Waldfrüchten. Stattdessen wurde laut Giovanni Ballarini, dem Vorsitzenden der Accademia Italiana della Cucina, mit der intensiven Stallaufzucht begonnen.

Nach dem offensichtlichen Erfolg und der Akzeptanz des spanischen Ibérico-Schinkens sind verschiedene Züchter im Süden Italiens (Neapel, Sizilien) dabei, althergebrachte einheimische Rassen mit der iberischen zu kreuzen. Das bemerkenswerteste Beispiel ist hierbei der Prosciutto Crudo di Maiale Nero Siciliano Monti Nebrodi. Dieser stammt von Schweinen aus der Freilandzucht, die sich von Weidegras, Kastanien und Eicheln in den nördlichen Bergen Siziliens ernähren.

An den Hängen im Norden des Atlasgebirges von Marokko lassen sich ebenfalls leicht Eichelbäume und ein dem iberischen Freiland ähnelnder Waldbestand finden. Die Rinde des Baumes wird zur Herstellung von Kleidungsfärbemittel (einer der Hauptwirtschaftszweige des Landes) verwandt und die Eicheln werden (für den menschlichen Verzehr) auf den örtlichen Marktplätzen angeboten. Da Muslime kein Schweinefleisch konsumieren, gibt es dort heutzutage auch keine Schinkenhersteller. Sollte die Nachfrage nach diesem Produkt jedoch weiterhin steigen, ist nicht auszuschließen, dass einige Fabrikanten in diesem Teil Afrikas Tiere mästen werden.

 

Serrano-Schinken aus Übersee

In jüngster Zeit wurde mehrfach über die Herstellung von luftgetrocknetem Schinken in China berichtet. Gleichzeitig wird vor einer örtlichen sektorialen Verlagerung – ähnlich der in der Branche bereits geschehenen – gewarnt.

Es ist kein Geheimnis, dass die Asiaten Schinkenliebhaber sind. Sie haben sich die spanischen sowie italienischen Verfahren angeeignet und mit der Herstellung von Schinken unter Verwendung weißer Schweine begonnen. Bald werden sie auch Versuche mit Ibérico-Schweinen unternehmen, wie ein Forscher der Universität Córdoba in einem kürzlich erschienenen Artikel in La Vanguardia berichtete.

Vielleicht ist das nicht gerade eine gute Nachricht für die Fabrikanten von Mastfutterschinken (ein Produkt von Schweinen, die mit Futtermittel ernährt wurden). Allerdings erreicht die derzeitige chinesische Produktion noch nicht mal 1 % von der Spaniens. Die Erzeuger von iberischem Bellota-Schinken können sich beruhigt zurücklehnen, denn die Reproduktion eines ganzen Ökosystems wie dem mediterranen Freizuchtgebiet ist sehr komplex und mehr als schwieriges Unterfangen. Allerdings versichern die spanischen Unternehmer hinter AcornSeekers, dass sie genau das in Texas (U.S.A.) erreicht haben. Sie hoffen, zukünftig den amerikanischen Markt mit Frischfleisch und Pata-Negra-Schinken aus US-amerikanischer Herstellung überfluten zu können.

Die Originalbezeichnung von „Huelva-“ wird zu „Jabugo-Schinken g.U. (D.O.P.)“

Namensänderung im Jabugo-Schinken g.U. LogoNach mehrjähriger juristischer Auseinandersetzung entschied der Oberste Gerichtshof von Madrid gegen den Erlass des Landwirtschaftsministeriums, das sich gegen eine Namensänderung ausgesprochen hatte. Ab jetzt lautet die Herkunftsbezeichnung „Huelva-Schinken D.O.P.“ „Jabugo-Schinken D.O.P.“ (Geschützte Ursprungsbezeichnung).

Bislang konnten nur die in Jabugo hergestellten Schinken wie der Cinco Jotas diesen Markennamen auf ihrem Etikett tragen. Damit wurde jedoch eine große Anzahl an Erzeugern aus demselben Bereich (Sierra de Aracena) ausgegrenzt. Zwar boten auch sie Pata-Negra-Schinken vergleichbarer Güte und mit ähnlichen Merkmalen an, dennoch konnten sie nicht von dem Markennamen profitieren.

Selbst die Gemeinde von Jabugo, der für die Ursprungsbezeichnung zuständige Marktverband sowie viele Nachbarn und Unternehmer des Schweine verarbeitenden Bereichs sprachen sich für eine Namensänderung aus. Dagegen waren hauptsächlich die Asociación Auténtico Jabugo sowie zwei große Erzeuger: Sánchez Romero Carvajal (Osborne-Gruppe), welche Cinco Jotas herstellt, und das Konsortium von Jabugo (Agrolimen-Gruppe).

Aus Sicht des Konsumenten scheint es sich dabei aufgrund der Produktvereinfachung um eine positive Änderung zu handeln. Die Menschen haben genug von Unterschieden zwischen Rassen, Ernährungsweise und Herstellungsregion. Gleichzeitig müssen sie dann auch noch wissen, dass der Jabugo-Schinken aus Huelva kommt, aber der Huelva-Schinken nicht unbedingt aus Jabugo stammen muss.

In qualitativer Hinsicht hat die Aufsichtsbehörde jetzt über eine weitaus wertvollere als die vorherige Markenbezeichnung zu wachen und muss deshalb ihre Kontrollen und Filterverfahren extrem verstärken. Ansonsten könnte es zu einem Desaster größten Ausmaßes kommen.

 

Ab wann gilt die Originalbezeichnung Jabugo?

Letzten März ist in Kraft getreten. Am 1. August 2015 wurde im BOE der vom Ministerium erlassene Beschluss veröffentlicht, die namentliche Änderung zu akzeptieren und geltend zu machen, und am 7. März 2017 wurde in dem Gemeinschaftsregister für gU und ggA eingetragen veröffentlicht.

 

11 Gründe zur Erklärung der Preisunterschiede beim Bellota-Schinken

Iberischen Bellota-Schinken bekommt man für weniger als 40 €/kg und für mehr als 400 €/kg. Das ist ein enormer Preisunterschied, der sich nicht allein durch die Qualität des Endproduktes rechtfertigen lässt, sondern auf einer Kombination sehr unterschiedlicher Faktoren beruht.

1. Rasse

Der qualitativ beste Pata-Negra-Schinken stammt von 100%igen Ibérico-Schweinen, deren Aufzucht kostenintensiver als die von Mischungen ist. Sie nehmen langsamer zu, ihre Keulen sind kleiner und die Würfe bestehen aus weniger Ferkeln.

2. Ernährung auf dem Bauernhof

Iberico-Schweine auf einem Hof
Ibérico-Schweine auf einem Hof einige Tage vor Beginn der Freilandernährung im Rahmen der Montanera.

In der Zeit zwischen der Entwöhnung des Ferkels vom Muttertier und der Freilassung des Jungtieres in die Natur vergehen einige Monate, in dessen Verlauf die Nahrungszufuhr aus Viehfutter besteht. Ein Schwein hört nicht an einem Tag auf, Muttermilch zu trinken, und beginnt am nächsten, Eicheln zu fressen. Es benötigt dazu eine Anpassungszeit. Nicht anders ergeht es beispielsweise menschlichen Säuglingen. Nach der Entwöhnung bekommen sie anfangs Brei (Cerealien und Früchte) im Wechsel mit Flüssignahrung. Erst nach einigen Wochen gibt man ihnen dann Fisch und Fleisch zum Probieren. Später folgen dann Trockenfrüchte usw.

Aber wieder zurück zum Viehfutter der Tiere. Es gibt sie in allen möglichen Preisklassen – je nach der Qualität des Grundfuttermittels, der Kombination aus Cerealien sowie der enthaltenen Nährstoffzusammensetzung.

3. Alter und Gewicht zum Freilandaufenthalt in der Bergregion

Damit ein spanischer Schinken die Bezeichnung „Bellota-Schinken“ tragen kann, gelten dazu für Alter und Gewicht gesetzliche Mindestbedingungen:

  • Das Gewicht des Tieres muss zur Freilassung in den Bergen zwischen 92 und 115 kg liegen.
  • Während der Zeit des Freilaufs müssen die Tiere je nach Eichelmenge und Gebiet der Nahrungsaufnahme mindestens 46 kg zunehmen.
  • Das früheste Schlachtalter beträgt 14 Monate.
  • Das Mindestgewicht des Tierkörpers (nach Abzug von Haut, Kopf und Eingeweiden) beläuft sich auf 115 kg – abgesehen von 100%-igen Ibérico-Schweinen, für die 108 kg gelten.

Folglich kann ein Hersteller, der sich an den gesetzlichen Mindestvorgaben orientiert, aufgrund geringerer Produktionskosten – und natürlich zu Lasten der Qualität – preisgünstigere Schinken auf dem Markt anbieten als andere Anbieter, die höhere Maßstäbe setzen.

4. Dauer des Freilandaufenthalts in der Bergregion

Der Königliche Erlass 4/2014 sieht einen mindestens 2 Monate andauernden Verbleib des Schweins zu Mastzwecken im Freien vor, aber einige Bauern verlängern den Zeitraum eigenständig um 1 oder 2 Monate. In einigen Fällen kommt es sogar zu 2 Freisetzungen. Das bedeutet, dass die Tiere nach der Eichelzeit bis zur nächsten zurück auf den Hof kommen und dann zur weiteren Eichelaufnahme erneut nochmals freigesetzt werden.

Je länger sich die Schweine in den Bergen aufhalten, umso größer ist die Menge der gefressenen Eicheln und die Zeit körperlicher Bewegung. Das wiederum führt zu einer verbesserten Qualität der Pata Negra. Gleichzeitig bedeutet das auch Mehrkosten: Hirten und Tierärzte müssen mehr Tage arbeiten und die Anzahl an Verlusten (aufgrund von Krankheiten, Diebstahl oder Angriffen in der Bergregion ansässiger wilder Tiere) steigt. Außerdem benötigt der Schinken aufgrund der höheren Güte des Fetts und dessen langsamere Oxidation mehr Monate bis zur Reife.

5. Freilandqualität

Ibérico-Schweine beim Fressen von Eicheln auf der Viehweide
Ibérico-Schweine beim Fressen von Eicheln auf der Viehweide

Es ist nicht das Gleiche, ob eine 500 Hektar große Freilandfläche 50 oder 100 Schweinen zur Futteraufnahme zur Verfügung steht. Letztere bekommen nur die Hälfte der Eichelmenge zu fressen.

Wie zu erwarten regelt auch hier das Gesetz die Anzahl der Tiere pro Quadratmeter genauso wie die Dichte des Eichenbestands. Deshalb müssen Hersteller ein Inspektionsteam damit beauftragen, die regelkonforme Beschaffenheit ihrer Freilandfläche zu bescheinigen. Aber auch bei Produkten, bei denen alle gesetzlichen Mindestauflagen eingehalten werden, gibt es jeweils solche mit einem größeren und kleineren Spielraum.

Darüber hinaus unterscheidet sich die Güte der Eicheln je nach Jahreszeit und örtlicher Lage des Freilandgebiets. Auch sind Schweine sehr wählerisch und fressen zuerst die besten Eicheln, d.h. die süßesten und größten, welche letztendlich am ausschlaggebendsten für die Endqualität von Schinken und Wurst sind.

6. Bio vs. Konventionell

Zweifellos bilden die zur Herstellung eines Bio Schinkens nötigen Anforderungen einen der Hauptaspekte in Hinblick auf die endgültige Preisgestaltung. Der begrenzte Einsatz von Pharmaka sorgt für einen Anstieg der Todesrate unter den Zuchttieren, fehlende Konservierungsmittel führen häufig bereits vor dem Verkauf des Schinkens zu dessen Verfall und das eingesetzte Futtermittel ist wesentlich teurer. Dazu kommen noch die Kosten für die behördliche Zertifizierung und Kontrolle.

Die ökologische Herstellung von Ibérico-Schinken ist in Spanien ein Nischengeschäft. In diesem Bereich gibt es derzeit kaum ein halbes Dutzend herstellender Kleinbetriebe.

7. Reifungsprozess

Schinken beim Reifeprozess in der Bodega
Schinken beim Reifeprozess in der Bodega

Ein Bellota-Schinken verliert während seiner Reifezeit in der Bodega jährlich zwischen 8 und 10 % seines Gewichts (zwischen 7 und 9 % im Vorderschinken). Hauptsächlich ist das auf den Wasserverlust zurückzuführen. Das heißt, dass bei einem Verkauf von einem 2 Jahre alten Schinken im Vergleich mit einem 3-jährigen der Preis bei gleicher Gewinnmarge ungefähr 10 % geringer ist.

Die Qualität ist dabei natürlich nicht die gleiche. Eine um ein Jahr längere Reifezeit trägt zu einem reicheren Aroma, intensiveren Geschmack und einer leichteren Schnittfähigkeit bei.

8. Salz

Ein Übermaß an Salz schädigt nicht nur die Gesundheit, sondern überlagert auch einen Großteil des schinkeneigenen Geschmacks. Der Konsument bevorzugt – besonders in letzter Zeit – einen süßlicheren und weicheren Ibérico-Schinken.

Was passiert jedoch, wenn zu wenig Salz verwandt wird? Zwei Dinge können dann geschehen:

  1. Das Fleisch kann kontaminiert und schlecht werden: Salz ist ein Konservierungsmittel. Damit es aber seine Arbeit tun kann, ist eine Mindestmenge erforderlich; oder
  2. 2. Das Muskelfleisch verliert an Geschmack und Konsistenz. Hersteller bezeichnen das in ihrem Sprachgebrauch dann als einen Kaugummischinken (Jamón Chicloso).

Hersteller, die sich bemühen, die Salzkonzentration zur Erreichung eines besseren Geschmacks so gering wie möglich zu halten, wissen dementsprechend, dass sie das anderweitig wiedergutmachen müssen. Folglich bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zum Ausgleich dieser Einbußen andere Produkte zu einem teureren Preis zu verkaufen.

9. Marke

Prestige, Exklusivität und Werbekampagnen beeinflussen unmittelbar auch den Verkaufspreis.

Cárnicas Maldonado brachte 2006 eine Schinkenspezialität namens Alba Quercus (umbenannt in Albarragena) zu einem Preis von 1.500 € heraus. Joselito folgte danach mit seiner Vintage-Palette (2.000 €) und dann kamen Jamones Premium de Arturo Sánchez (4.000 €)… Verständlicherweise handelt es dabei um ein sehr begrenztes Angebot von wirklich gutem Schinken, wobei es trotzdem schwer ist, entsprechende Kilopreise mit der Endqualität zu rechtfertigen. In Wirklichkeit sind sie Instrumente einer umfassenderen Marketingpropaganda.

Andererseits sind die Hersteller einflussreicher Marken sich bewusst darüber, dass ihre Kunden bereit sind, im Gegenzug für die durch die Marke gewährleistete Sicherheit tiefer in die Tasche zu greifen.

10. Wirtschaft und Handel

Schinken von ein und derselben Marke kann in verschiedenen Geschäften zu sehr unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Nicht jeder arbeitet mit dem gleichen Gewinnsatz. Auch kann es passieren, dass zwar der Preis für den Schinken angepasst wird, doch dafür der damit verbundene Service zu Buche schlägt: erhöhte Transportkosten, eine sehr restriktive Rückgabepolitik, ein unzulänglicher Kundendienst…

Der Endpreis wird zu einem Großteil von dem Land, in dem sich das Geschäft befindet, bestimmt. Einige Fabrikanten verpflichten die Händler, das Produkt beim jeweiligen offiziellen Importeur einzukaufen. Das heißt, es fehlt eine entsprechende Wettbewerbsumgebung, weshalb die Preise in solchen Fällen gewöhnlich sehr viel höher als im Ursprungsland sind.

11. Saison und Kaufzeitpunkt

Im Laufe eines Jahres bleibt der Schinkenpreis im Allgemeinen mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau. Allerdings gibt es auch mal Zeiten der Produktknappheit, in denen es dann zu einem Preisanstieg kommt. Die geschieht beispielsweise, wenn ein Fabrikant über keine weitere Ware einer Produktionsreihe verfügt und die neue für den Verkauf noch ein bisschen zu zart ist.